Frauenpower

"Das Berufsbild erfährt eine Professionalisierung, eine Feminisierung, eine Spezialisierung und eine Internationalisierung." so Prof. Günter Bentele letztens bei einer Podiumsdiskussion zur PR-Evaluation (Quelle: media coffee blog vom 1.6.2007).
Wenn das nicht ein Zeichen ist!
Die Frauen kommen! Fragt sich allerdings, wo...
Im Bereich der Evaluation gibt es wenige Frauen im Rampenlicht. Die "Mutter der Evaluation", Prof. Barbara Baerns aus Berlin, ist leider im Ruhestand und tritt selten in Erscheinung. Die Controllingsysteme der letzten Jahre wurden fast ausschließlich von Männern präsentiert und vehement kommuniziert. Und ich erinnere mich an Situationen, in denen die leitenden "Alphatiere" die am Tisch sitzenden weiblichen Personen am liebsten völlig ignoriert hätten - sofern sie nicht auf Kundenseite arbeiteten. Ellenbogen bringen in dieser Situation wenig, weibliche Diplomatie ist da geschickter. Zumal ja die Herren der Schöpfung auch nur mit Wasser kochen. Es gab schon so manchen gestandenen Agenturchef, der auf einer richtig großen Veranstaltung ins Stammeln geriet bei der Frage, ob sein Tool denn schon mal in der Praxis zum Einsatz gekommen sei. Oder es wurde Kundenzufriedenheit vorgegaukelt, die sich am Ende als rein erfundenes Werbeschreiben entpuppte - vielleicht hätte dieser Agenturinhaber doch erstmal warten sollen, bis er einen realen zufriedenen Kunden vorweisen kann... Da gab es auch plötzlich verschwundene Powerpointseiten, die (wohl ausgeblendet) nicht zu finden waren, um wichtige kausale Zusammenhänge zu verdeutlichen: Welchen Wertbeitrag leistet denn nun die Kommunikation? - Wenn man seine Powerpointpräsentation nicht mal selber kennt, wie soll man sie dann überzeugend präsentieren?
Frauen agieren geschickter. Sie können sich solche Überheblichkeit aber auch schlichtweg nicht leisten. Sie sind es gewohnt, ihr Bestes geben zu müssen, um überhaupt gehört zu werden. Frauen sind besser vorbereitet und durchorganisiert. Sie planen und wissen, in welcher Reihenfolge sie ihre Situation analysieren und ihre Ziele festlegen. Diese Ziele sind nicht immer auf direktem Wege zu erreichen, sondern oftmals auf verschnörkelten Nebenstraßen, durch die frau dann letztlich doch nach ganz oben und vorne gelangt. Zu guter Letzt wirkt ein bisschen Charme immer noch sympatischer als selbstherrliche Überheblichkeit ("Wenn das erstmal Chefsache ist, dann spielt Geld keine Rolle mehr").
Natürlich gibt es auch ein andere Sorte Mann. Die, die wirklich Ahnung haben, und es nicht nötig haben, sich über andere zu stellen. Und die, die eigentlich viel besser wissen, wo der Hase lang läuft, es aber nicht an die große Glocke hängen. Mit diesen kann frau gut zurecht kommen, zumal sie wirkliche Benchmarking-Partner sind. Während die anderen Herren Frauen nur zur Erfüllung der Frauenquote in der passenden Haarfarbe um sich scharen.

Bleibt zu hoffen, dass Bentele Recht behält und die Frauen in der PR auf dem Vormarsch sind. Dann klappt's auch mit der Professionalisierung ...

Gute Nacht!
Nanette Besson

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