Im Westen nicht viel Neues...

Lange habe ich nichts verhören lassen.  Sicherlich als "schöpferische Pause" zu erklären, aber der Kern dessen ist wohl, dass sich nicht viel getan hat in letzter Zeit. Das Thema Evaluation und Kommunikations-Controlling gönnt sich eine Atempause, und in der Praxis hat sich sowieso in den letzten zehn Jahren nicht viel geändert. Auch wenn einige wenige Bestreiter es nicht müde werden, Anderes zu verkünden.
Es gibt einen neuen Begriff, die "Korridale Kausalität", sie sich die Professoren Rolke und Zerfaß ausgedacht haben. Damit möchten Sie den angeblichen, kausalen Zusammenhang zwischen Unternehmenskommunikation und Unternehmenswert bezeichnen. Der Begriff bezeichnet das meist beschworene und doch nie so richtig wissenschaftlich belegte Phänomen. Sie betrachten nun nur noch den "Zusammenhang im Großen", den Korridor, der die Räume der Praxis auf der einen Seite und die Räumlichkeiten der Theorie auf der anderen Seite zusammenhält und somit das Haus des strategischen Kommunikations-Controllings vor dem Einstürzen bewahrt. Dieser muss da sein, auch wenn man ihn nicht exakt belegen kann. Rolke brachte es auf dem Medienbeobachterkongress 2010 auf einen einfachen Nenner: "Lieber ungefähr richtig als präzise falsch." Seine neue Kennzahl lautet "Communication Impact Points" und sagt uns endlich mit einer Punktzahl, was die ganze Kommunikation so bringt.
In diesen Zusammenhang bezeichnet Professor Dr. Ansgar Zerfaß es auch als prinzipiell "empfehlenswert", in einem Top-Down-Vorgehen zunächst ein strategisches Kommunikations-Controlling zu implementieren - für Großkonzerne wie für Mittelständler. Ein Bottom-Up-Vorgehen empfehle sich dagegen, wenn größere operative Defizite in der Unternehmenskommunikation erkennbar seien und die zeitnahe Verbesserung von Prozessen und Instrumenten Vorrang hätten oder wenn die systematische Zielableitung aufgrund unspezifischer Unternehmensstrategien oder mikropolitischer Widerstände gegen entsprechende Managementmethoden nicht möglich sei (Zerfaß 2010, S. 40).
Was soll man dazu noch sagen :-)


Auf der ganz anderen Seite, nämlich der Evaluation in der Entwicklungszusammenarbeit, macht sich Unmut gegen die Reduzierung  von sozialen (also auch kommunikativen) Wirkungen auf einfache Zahlenwerte breit. Es gab im September in Brighton am Institute of Development Studies Sussex ein Treffen, in dem über die Erfahrungen diskutiert wurde, dass Geber-Institutionen zunehmend kurzfristige bzw. kurzsichtige quantitative Erfolgszahlen einfordern, die dem sozialen Sachverhalt, Verhalten und Einstellungen zu verändern, nicht gerecht werden. http://hausercenter.org/iha/2010/10/11/the-big-push-back/

Eine sehr interessante Tendenz, finde ich. Ist es also Unprofessionalität, wenn man Erfolg nicht in einer Zahl darstellen kann, oder spricht es einfach für die Komplexität der Aktionen und Effekte?
Vielleicht macht es auch die gesunde Mischung und Quantität und Qualität, die wirklich nützlichen und nachvollziehbar relevanten Mehrwert bietet.

PREZI zum Thema!