DATA SCIENCE - das Yin und Yang der Analyse

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DATA SCIENCE ist das neue Schlagwort, mit dem auch ich nun wieder an vorderster Front für den Einsatz von intelligenter Analyse kämpfe. Und es umschreibt die Anforderungen soo treffend: Es geht um valide Daten, die reliabel bewertet werden. Wissenschaftliche Gütekriterien lassen grüßen. 

DATA können große oder kleine Datenmengen sein. SCIENCE ist das Expertenwissen, mit dem diese Daten ausgewählt, bewertet und interpretiert werden. Es geht also nicht nur um Big Data, um riesige Mengen digitaler Zugriffsdaten, sondern auch um z. B. feine Stichprobendaten, die qualitativ sehr viele Insights bieten - erst recht in Verbindung mit dem passenden Expertenwissen. Dies Expertenwissen besteht aus Wissen über das Unternehmen und seine Ziele, Stakeholder, Themen, die Branche sowie gesellschaftlichen Trends.

Gerade in Zeiten, in denen wir zunehmend von sämtlichen sozialen Netzwerkdaten ausgeschlossen werden (so Florian Laszlo so erfrischend ehrlich beim Social Media Summit, ab Minute 23), ist die bewusste Auswahl von verfügbaren Daten wichtig. Welche Zahlen und welche Informationen werden erhoben? Daten können auch qualitativ erhoben werden, d. h. inhaltlich oder beschreibend: 

Eine qualitative Analyse z. B. von Videos und Bildern in Instagram Reels oder auf TikTok bietet in Verbindung mit den Likes und einer genauen Betrachtung derer, die Liken, einen erheblichen Mehrwert: Ich erfahre, welche Gestaltungsmerkmale gefallen und ich bekomme Insights über meine "Freunde", meine Zielgruppe. Im Vergleich mit Wettbewerbern ist eine fundierte Bewertung möglich: Was haben wir erreicht? Wo stehen wir im kommunikativen Wettbewerb? 

Eine solche Analyse erzeugt zwar mehr Aufwand als die Analyse digitaler Downloads (wobei diese nur sehr eingeschränkt verfügbar sind) - die Ergebnisse bieten jedoch direkte Hinweise, wie die Kommunikation in Zukunft zu optimieren ist. Dasselbe gilt für TikTok oder Clubhouse: Je weniger Informationen vom Netzbetreiber verfügbar gemacht werden, umso mehr sind wir darauf angewiesen, intelligente Analysekonzepte mit sinnvoll ausgewählten, selbst erhobenen Daten anzuwenden.  SCIENCE halt :-)

Die Digitalisierung bietet eine Flut von Daten. Teilweise sind diese abrufbar, z. B. durch die API von Twitter. Automatisch generierte Daten sind immer mit Verstand zu benutzen: Nicht nur Fakes verwässern das Ergebnis. Die Algorithmen der Netzwerke - die neuen Gatekeeper -  steuern die Anzahl der Aufrufe selbsttätig. Die Kennzahl Impressions kann streng genommen nur bedingt als "Erfolgsindikator" dienen. So wird die "For you-Seite" von TikTok kaum bei zwei Usern identisch sein. Auch die Engagement Rate (ER) ist mit Vorsicht zu genießen, da im Standard nicht zwischen positiven und negativen Kommentaren unterschieden wird. Die ER ist also im Zweifel auch ein Indikator für den Level des Shitstorms.

Natürlich möchte ich nicht alle Kennzahlen verteufeln. Der Werbeqäuivalenzwert wurde auf AMEC Summit anno 2010 auf die "schwarze Liste der PR-Evaluation" gesetzt - ich war selbst dabei und habe für die allerersten Barcelona Prinicples mit abgestimmt. Der Werbeqäuivalenzwert ist ein Behelfswert für die Wertberechnung von kommunikativen Erfolgen. Er hat große Haken und Ösen, und wird trotzdem immer noch in der Praxis eingesetzt - schlicht, weil er handlich ist. Und sicherlich - sofern kontinuierlich hergeleitet - einen Hinweis auf die Entwicklung der Medienresonanz darstellt.

Also dürfen Kennzahlen unperfekt sein - siehe die vielkritisierte Corona-Inzidenz, die vielfach als unzureichend bezeichnet wird - und trotzdem wenigstens einen Hinweis auf die Entwicklung gibt. Es ist nur wichtig, dass für die Gesamtbeurteilung der Lage noch wesentlich mehr Faktoren hinzugezogen werden. Expertenwissen - SCIENCE.

DATA SCIENCE ist ein gutes Schlagwort, das die zwei wichtigsten Faktoren bei der Bewertung komplexer Zusammenhänge auf den Punkt bringt: Das Eine ist nichts wert ohne das Andere - womit ich mal wieder beim YIN und YANG bin. Und dafür stehe ich gerne ein, nach dieser Verbindung zu streben und sie zu generieren - als Director Analytics bei Ketchum Deutschland. 

Und ich freue mich über herausfordernde Anfragen, gern über LinkedIn!



P.S. Nur, damit ich die Unternehmensziele und die Wertschöpfung auch erwähnt habe: Die Verknüpfung der Kommunikationserfolge mit den Unternehmenszielen ist in der PR-Planung zu knüpfen. Die  Werttreiberkette für eine (im Vergleich zum Wettbewerber) erfolgreichen Insta Reels-Kampagne sieht folgendermaßen aus: Positive Resonanz auf kommunizierte Markenwerte erzeugt Stärkung der Markenbindung, Markenbindung stärkt die Bereitschaft, Produkte zu bevorzugen - Kosten für das Marketing sinken - Umsatz & Gewinn steigen.

Politiker*innen als Influencer - Erfolgsfaktoren der politischen Kommunikation via Instagram. Von Vanessa Schüler

Meine Studierenden untersuchen immer wieder interessante, innovative Zusammenhänge der Unternehmenskommunikation. In dieser Label-Reihe "Studi-Forschung" möchte ich die besten Ergebnisse vorstellen, bzw. lasse ich meine Studis ihre Ergebnisse präsentieren.


Soziale Online-Netzwerke wie Twitter und Facebook sind schon länger im Kontext der politischen Kommunikation bekannt. Spätestens seit #fridaysforfuture hält nun auch ein noch sehr junges Online-Netzwerk Einzug in die Politik: Instagram – ein Medium, das überwiegend von Bildinhalten lebt und als Welt der Influencer bekannt ist. Was sind die Instagram-Erfolgsfaktoren für Politiker*innen, um sich in dieser Welt zu behaupten?

Zwischen kommerziellen und unterhaltenden Inhalten findet man auf Instagram immer mehr politischen Content. Viele Politiker*innen nutzen die Plattform für die persönliche Selbstdarstellung, allerdings ohne eine festgelegte Strategie zu verfolgen. Die aktuelle Literatur beschäftigt sich mit Strategieempfehlungen zur politischen Kommunikation via Twitter und Facebook, Instagram wird allerdings bisher noch nicht aus dem professionellen Blickpunkt betrachtet. Dabei hat sich das bildfokussierte Netzwerk zu einem zentralen Medium entwickelt, welches sogar als Quelle für journalistische Massenmedien eingesetzt wird. Die Nachfrage nach Echtzeitkommunikation kann über kaum ein anderes Medium oder soziales Online-Netzwerk annährend gut bedient werden.

Dementsprechend ist auch in der politischen Kommunikation eine professionelle Herangehensweise an Instagram als Kommunikationskanal unausweichlich. Im Rahmen der Masterarbeit "Politiker als Influencer - Eine Strategieanalyse der politischen Kommunikation via Instagram" wurden die Posts von zwölf deutschen Politiker-Accounts untersucht und Erfolgsfaktoren für die politische Kommunikation via Instagram herausgearbeitet:

1. Exklusiv: Politiker*innen ganz privat

Auf Instagram liegt der Fokus auf Personen, weshalb jeder Politiker*innen getrennt vom Parteikanal einen eigenen Instagram-Account führen sollte. Die Instagram-Community legt Wert auf exklusive Inhalte. Die User wollen über den zusätzlichen Kommunikationskanal in erster Linie die Privatperson hinter dem Politiker*innen kennenlernen. Beiträge zum Privatleben sind mit Abstand am beliebtesten und haben die größte Chance viral zu gehen. Auch andere Einblicke in exklusive Lebensbereiche wie dem Arbeitsplatz oder dem Mittagessen erfreuen sich großer Beliebtheit. Das zeigt, dass Politiker immer noch ein elitäres Berufsbild bedienen, welches auch als solches in den klassischen Massenmedien dargestellt wird. Instagram ist das erste Medium, das einen anderen Blickwinkel und somit die Chance bietet, das Image der Politik zu verändern.

2. Wie inszeniert man Politik auf Instagram?

Mit dem elitären Berufsbild des Politikers geht eine gewisse emotionale Distanz einher. Politiker*innen werden oft als abgeklärt wahrgenommen, weshalb bei der Inszenierung auf Instagram die wahrgenommene Sympathie eine wichtige Rolle spielt. Sympathieträger zeigen Gesicht, sie lächeln oder noch besser lachen und halten Augenkontakt mit ihrer Community. Durch Nahaufnahmen, Selfies und Bildern aus dem Alltag in legerer Kleidung schaffen Politiker*innen Nähe und rufen etwas Vertrautes beim Betrachter hervor.

3. Fokus auf Meinungen und Emotionen

Instagram wird von allen sozialen Online-Netzwerken die größte emotionale Wirkung zugeschrieben, was in erster Linie an der emotionalen Verknüpfung von Bildinhalten liegt. Hinzu kommt die Nähe zu Personen des öffentlichen Lebens, die es so auf keiner anderen Plattform gibt. Die User wollen nicht nur Einblicke in das Privatleben, sie wollen vor allem hinter die Fassade blicken: Welche Meinung vertritt der/die Politiker*in? Kann ich mich mit ihm/ihr identifizieren? Wofür brennt diese Person? Wofür setzt er/sie sich ein? Klare politische Statements erfreuen sich auf Instagram deshalb großer Beliebtheit. Trotzdem spielt nicht nur die politische Funktion eine Rolle, sondern auch die privaten Interessen. Die User wollen hinter dem Politiker einen greifbaren Menschen sehen.

4. Instagram-Erfolgsfaktor Humor

Eine Emotion geht in der Politik oft verloren: Humor. Politische Themen und die Arbeit von Politiker*innen werden nur selten mit Leichtigkeit verknüpft. Doch auch Politiker*innen lachen, sie haben bei all den ersten Themen nur selten eine Plattform, um dies auch zu zeigen. Bei Instagram geht es nicht vorrangig um eine seriöse Inszenierung, sondern vor allem um eine authentische. Eine humorvolle Aufbereitung steigert die Aufmerksamkeit und Sympathie. Wichtige Informationen gehen dabei nicht verloren, ganz im Gegenteil: Eine unterschwellige Vermittlung von Emotionen ist ein bedeutender Erfolgsfaktor, da auf Gefühlsebene die größte unterbewusste Beeinflussung erfolgt. Instagram zeigt also Ansätze der Vermischung einer emotionalen und informativen Aufgabe.

5. Politik auf Instagram: Qualität vor Quantität

Den Instagram-Algorithmus durch eine tägliche Postingflut austricksen? Das ist in der politischen Influencer-Welt nicht ratsam. Qualität steht hier ganz klar vor der Quantität. Anstatt minütlich inhaltslose Posts zu teilen sollten Politiker auf qualitativ hochwertige Inhalte unter Beachtung der Erfolgsfaktoren und eine durchdachte Strategie setzen. Gerade im politischen Rahmen ist die Hürde für den User, ein Follow zu geben und damit seine politische Haltung nach außen zu tragen, weitaus größer als ein Like zu vergeben. Erfolgsindikator in der Instagramkommunikation von Politikern sollte dementsprechend die Interaktionsrate sein, heißt Likes und Kommentare im Verhältnis zu den Followern. Gerade die Kommentare geben Aufschluss über die Qualität der Inhalte. Wird viel kommentiert, sind diese diskussionsrelevant. Hierbei ist es ratsam neben Bildern auch die Videofunktionen auf Instagram zu nutzen, um komplexe Inhalte zu transportieren und politische Diskussionen anzuheizen.


Wer mehr wissen möchte, kann sich bei mir die Kontaktdaten von Frau Schüler erfragen oder sie direkt über LinkedIn kontaktieren https://www.linkedin.com/in/vanessa-sch%C3%BCler-3ba51b166/ !

Der Wertschöpfungsbeitrag der Unternehmenskommunikation: 399 Euro für ca. 1.500 Seiten

Im August 2020 soll die dritte Auflage des „Brockhaus der Unternehmenskommunikation“ erscheinen (für  alle Digital Natives: das gedruckte Google, das bei Oma und Opa noch steht), das „Handbuch Unternehmenskommunikation“, diesmal herausgegeben von Zerfaß, Rolke und Röttger. Dieses zwei-Kilo-schwere Kompendium des gesammelten Wissens zum Thema instrumenteller Kommunikation in wirtschaftlichen Unternehmen ist ein herausragend teures und umfangreiches Buch. 

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Die über 1.300 Seiten der zweiten Auflage - die immerhin nur 299 Euro kostet - wirken recht erschlagend, wenn man vorhat, sie zu lesen. Daher habe ich das Werk in seiner Zweitauflage zum Objekt der Referate gemacht und konnte auf diese Weise im Wintersemester die erste Hälfte des Buches konsumieren und besprechen. 

Der Schmöker besteht aus zehn Kapiteln, die jeweils als eigenes Buch herausgebracht hätten werden können. Jedes Kapitel bezieht sich auf den jeweiligen Aspekt in der Unternehmenskommunikation:

  1. Grundlagen
  2. Ökonomische, publizistische, rechtliche und ethische Rahmenbedingungen
  3. Soziologische, kulturelle und psychologische Dimensionen
  4. Analyse von Umfeld und Meinungsbildung
  5. Zieldefinition und Planung
  6. Instrumente und Plattformen 
  7. Evaluation und Wertbestimmung 
  8. Organisation, Outsourcing und Kompetenzmanagement
  9. Kommunikationsstrategien für zentrale Bezugsgruppen
  10. Konzepte für besondere Kommunikationssituationen
Ich habe in einem Semester die Teile 1-6 geschafft und werde nun davon berichten. Die weiteren Kapitel folgen.

Grundlage des Buches ist die interdisziplinäre "Integrierte Theorie der Unternehmenskommunikation", die Ansgar Zerfaß seit seiner Doktorarbeit anno 1996 stetig (weiter)entwickelt hat. Die Betrachtung von Unternehmenskommunikation als wertschöpfende Funktion des Unternehmens, geteilt in die Kernbereiche Interne Kommunikation, Marktkommunikation und Public Relations (alles andere), stellt das Fundament für die weiteren Betrachtungen.


I. Die Basics des Fachbereichs Unternehmenskommunikation (UK) erläutern Theorien zu Kommunikation, Medien, Öffentlichkeit und zu sozialen Netzwerken. Es wird außerdem der Stand der Profession dargestellt (aus Zerfaß´s Umfrage European Communication Monitor).

II. Die Rahmenbedingungen der UK werden von Recht, Moral und Verantwortung (CSR) geprägt - dem Spannungsfeld zwischen Realität, Fiktion und fiktionaler Darstellung. Die Beziehung von Journalismus und UK stellt diese Aspekte stetig auf die Probe. Immerhin geht es um nicht weniger als den "guten Ruf".

III. Geisteswissenschaftlich wird die UK aus Sicht der Soziologie, Psychologie und Kultur betrachtet: Wollen wir den Diskurs oder die Täuschung, handeln wir instrumentell oder verständigungsorientiert? Vertrauen, Glaubwürdigkeit, Reputation, Marken und die hohe Kunst der psychologischen Manipulation und Selbstdarstellung - das ist der Stoff, aus dem die Skandale sind. 

IV. Ohne Maps keine Positionierung - die empirischen Methoden werden nicht alt. Sie sind unersetzlich, um zu wissen, wo wir stehen und was um uns herum passiert. Dabei kommt vor allem die klassische Inhaltsanalyse (Medienresonanz, Social Media) zum Einsatz, sowie die Befragung (Mitarbeiter, Stakeholder). In diesem Kapitel aber noch nicht als Evaluation oder zur Steuerung (folgt in Kapitel VII), sondern im angelsächsischen Sinne als Basis für die Planung.

V. Die klassische Konzeptionstechnik - sie heißt jetzt nach Zerfaß "Kommunikationsmanagement" -  darf nicht fehlen und wird im fünften Teil kurz gestreift.

VI. Anwender werden im sechsten Teil konkretere Anregungen finden - Instrumente und Plattformen. Dabei bleibt alles auf einem eher theoretischen Niveau und recht oberflächlich. Interessant und erfrischend sind alte Disziplinen wie die Rede, "Live Communication" als der real erlebte Event und die Hervorhebung von Design, Ästhetik und der Inszenierung von ... sich selbst. Frei nach Erving Goffman: "Wir spielen alle Theater!"

Das Handbuch bietet einen Rundumblick über wichtige Aspekte der Kommunikation. Leider ist es auf Unternehmenskommunikation beschränkt und lässt damit andere Bereich wie Nonprofit oder Politik außen vor. Wer ist die klassische Zielgruppe des Buches? Ich denke eher diejenigen, die über den kostenlosen SpringerLink-Zugang ihrer Hochschule oder Universität verfügen. Für 300 Euro wird kaum ein Praktiker ein Buch kaufen, das zwar alles darstellt, aber doch weit entfernt von einem tatsächlichen Nachschlagewerk wie dem Brockhaus ist. Gleichzeitig stellt es nur ausgewählte Aspekte der aktuellen wissenschaftlichen Diskussion dar - die Themenvielfalt und die Breite an Material ist mittlerweile erfreulich unübersichtlich (die PR-Wissenschaft wird langsam erwachsen). 


Meine Studis kamen meist gut mit den Aufsätzen klar. Die Autoren sind alle namhafte Vertreter der Themenbereiche und die Beiträge sind verständlich geschrieben. 

Die PR-Branche kann stolz darauf sein, dieses Kompendium zu haben. Und vor allem darauf, dass selbst auf über 1.300 Seiten noch immer nicht Alles erwähnt ist. Und das Beste: 2020 kommt die Neuauflage. Für schlappe 400 Euro - wer sich´s leisten kann....


Lehren ist schön! Didaktik-Tipps zum Hochschulseminar


Ich habe in den letzten Semestern reichlich Erfahrungen gesammelt, worauf bei der Konzipierung und Durchführung von Hochschulseminaren zu achten ist. Ich möchte diese Aspekte gerne teilen und freue mich auch über Vorschläge zur Erweiterung der Liste!
Genereller Semesterplan:
  • Erste Sitzung: Immer erst die Orga-Details klären, Überblick, Thema schmackhaft machen; nicht zu lange Vorstellungsrunde. 
  • Dann ab in die Inhalte - solange alle motiviert und frisch zu Semesterstart sind. Gern erstmal im Vorlesungsstil.
  • Referate: gerne gebündelt an bestimmten Tagen. Nicht zu früh damit beginnen. Am besten alle Referate zu einem Stichtag fertigstellen lassen, damit dann alle "abrufbereit" sind. Referate sollten zur vorletzten Sitzung gehalten sein, sonst passiert es, dass Referierende krank werden und ihr Referat nicht halten können.
  • Zum Ende des Semesters die "Nicies": Exkursion, Gast, Barcamps, sonstiges.
  • Letzte Sitzung (vor allem vor Klausur oder mündlicher Prüfung): Repetitorium
Die einzelne Sitzung:
  • Jede Sitzung strukturieren, am besten konstant, z. B. Aktuelles, Wiederholung, neuer INPUT, Pause, Übung, Übung besprechen:
    • Zu Beginn jeder Sitzung aktuelle Orga-Issues besprechen, das Tagesvorhaben und den Gesamtzusammenhang der Veranstaltung kurz herstellen.
    • Immer zu Beginn die letzten Sitzungsinhalte kurz wiederholen oder wenigstens ansprechen, um den roten Faden wieder aufzunehmen. 
    • Zum Wiederholen und auch zum "Wecken" bietet sich kahoot an, kleines Quiz, das auch zum Lachen bringen darf.
    • INHALTE. Gern im klassischen Vorlesungsstil. Gut eine Stunde. Immer mit einer anschließenden Pause und ÜBUNG.
    • Jede Übung ausgiebig besprechen und dazu nutzen, alles an Inhalten noch einmal zu wiederholen. - Ich nutze sehr gern Google-Slides für die Übungen, da sowohl ich als auch die Kommilitonen sehen, was "die anderen" machen (Perfekt für Kollaboration)
  • Nach ca. 90 Minuten immer eine Pause.
  • Immer pünktlich Schluss machen.
Gestaltung/(digitale) Tools/Umgang:
  • Es gibt viele gute YouTube-Videos und Tutorials. Es tut manchmal gut, eine Erklärung noch einmal von jemand anderes zu hören. Videos jedoch besser nicht länger als ca. 5-10 Minuten zeigen.
  • Brainstorming ist immer nett. Ich bin eine Freundin des analogen Sammelns auf bunten oder weißen Zetteln, die dann "öffentlich" sortiert und besprochen werden. Natürlich gibt es auch Digitools (mentimeter und andere Votingtools), aber diese Brainstorms kann man meist nicht sortieren.
  • Hausaufgaben: Etwas zum Lesen macht Sinn. Gut auch mit kahoot in der nächsten Stunde abfragen.
  • Referate: Lassen Sie doch mal Inhalte als prezi, als Erklärvideo, als Science Slam, als Video-Storyboard mit canva oder als Rollenspiel vortragen! Je nach Thema kann ein Katalog zusammengetragen werden, der als Basis für eine Spiele-Entwicklung (z. B. ein Quartett, eine Quizshow, Monopoly o. Ä.) dienen kann. Es hängt sehr von den Studis ab, welche Form der Referate passt. Je erfahrener die Studis, umso mehr kann auch mal eine Alternative angeboten werden.
  • Nicht zu laut sprechen, das hilft nicht gegen Gemurmel. Lieber direkt auf die Lautstärke ansprechen und bitten, draußen weiter zu reden. Es gibt auch gute Lavaliermikrofone mit Funk - das kann vor allem bei großen Gruppen das Stimmband schonen.
  • Nicht kumpelig im Umgang werden. Gern über Gruppensprecher einen direkten Draht per WhatsApp haben, aber nicht enger.
  • Bei Verspätung lieber gleich einen neuen Anfangszeitpunkt festlegen.
  • Zwischenevaluation: Mit ein paar Klicks auf Google-Forms erstellt. Praktisch zum Nachjustieren während des Semesters. Schützt auch vor einem negativen Feedback zum Semesterende.
Wenn alles funktioniert, ist es natürlich immer noch ein Restrisiko, dass den Studierenden irgendetwas nicht gefallen hat. Die Evaluation zu Semesterende offenbart immer Überraschungen, sei es zum Guten oder zum Kritischen. Eine gute Lehrkraft sollte Selbstkritik zulassen, von der Evaluation weder zu Höhenflügen aufbrechen, noch sich entmutigen lassen lassen - manchmal stimmt auch einfach die Chemie nicht.

Wenn aber doch, dann ist es der Traumjob und eine absolute Win-Win-Situation!

Ich danke meinen Studis für das erfolgreiche Semester. Es hat viel Spaß gemacht mit euch!




Das Böse und das Gute - und die Macht, zu bestimmen, wann was zählt

Manipulierende Kommunikation wird getrieben von Absichten und Zielen - keine Frage. Wertschöpfung ist ein fliegender Begriff. Wer möchte nicht Wert schöpfen? Werte bestimmen unser Leben, Normen regeln es. Normen sind allerdings keine Gesetze.  Und Werte sind nicht immer ehrenwerte Ziele. Egoismus gilt auch für Organisationen. Organisationen sind wie Individuen zu betrachten - das machen auch Organisationstheoretiker Also werden Organisationen nicht immer nach hehren Werten streben, sondern auch nach ganz egoistischen. Und die Berater, die dies Treiben unterstützen - sie arbeiten für die Wertschöpfung. Wer hat denn behauptet, dass dies immer "hohe", ehrenwerte Ziele sind?
Aber wo kommen wir hin, wenn jeder nach seinem eigenen, höchsten Wert strebt? Ist es ok, käuflich zu sein? Wo sind Grenzen? Reicht es, Gesetze als Grenze zu sehen? Wie unmoralisch darf ein professioneller Kommunikator handeln? Ist es unmoralisch, den Menschen die Ressentiments zu bestätigen, nach denen sie gieren? Wie viel Fiktion ist legitim? In Zeiten von virtueller Realität und Socialbots - wie viel Fiktion ist noch vertretbar? Wie sehr wollen die Menschen getäuscht werden? In der Wohlfühlzone ist es doch so schön warm - warum frieren oder Bahn fahren?
Jeder Einzelne wird sich gegenüber sich selbst verantworten müssen - das gilt für professionelle Kommunikatoren ebenso wie für die Laienkommunikation. Und glücklicherweise sind wir gesegnet mit einem wachen Geist und der Fähigkeit, Zusammenhänge bewusst zu rezipieren.  Keine passiven Rezipienten. Keine dumme Masse. Nutzen wir diesen Verstand. Dann können uns auch die "bösen" Kommunikatoren nichts anhaben.

PREZI zum Thema!